Das Weinjahr 2026 war abwechslungsreich. Die Winter werden ja allgemein immer milder und so blieben auch extreme Minustemperaturen im Winter aus. Schneefall gab es nur an wenigen Tagen und auch nur für kurze Zeit blieb der Schnee liegen. Das war Ende Januar/ Anfang Februar. Ebenfalls Ende Februar war es schon wieder warm. So warm, dass man mit zeitweise nur im T- Shirt die letzten Reben gebogen hat.
Der März war mild und die Natur stellte sich langsam auf Frühling ein. Auch das ein allgemeiner Trend in den letzten Jahren. Die Knospen der Reben waren Ende März schon geschwollen, also auch die Leitbahnen der Reben schon wieder mit Wasser gefüllt. Im Winter hält so ein Rebstock zwischen -15 und -18°C aus. Sobald aber Wasser in der Leitung ist und sich frisches Gewebe in den Knospen bildet, ist so gut wie keine Frosttoleranz mehr gegeben. Und so war es am Palmsonntag morgens mit -5°C schon knackig kalt. Hier und da, je nach Lage und Sorte, hat es Frostschäden gegeben. An manchen Reben über 50%, über den ganzen Weinberg betrachtet 25-30%. Im ganzen Weingut vielleicht 10%. In einzelnen Weinbergen hatten wir Frostruten stehen, also Reserveruten für genau solche Vorfälle. Sie halfen hier und da die Schäden auszugleichen. Und auch die restliche Jahreswitterung hat noch großen Einfluss auf die zu erwartende Erntemenge. In beide Richtungen.
Der Austrieb ging voran. Die Eisheiligen waren spürbar, aber glücklicherweise ohne Frost Mitte Mai. Allerdings gab es sowohl Anfang Mai, wie auch ab Pfingsten bereits 30°C und es begannen schon trockene Zeiten.
Was natürlich ab Mitte Ende April bis ca Mitte Mai auch noch eine Gefahr darstellte ist der Wildverbiß. Also in erster Linie Rehe, die die frisch gewachsenen Triebchen gerne Komplett oder zumindest mitsamt den Blütenständen, die ja mal Trauben geben könnten, abfressen. In 2026 hatten wir auch hier in den Weinbergen wieder Schäden zu verzeichnen. In manchen Weinbergen fehlten so schon 5 -10 der Erntemenge.
Das ist wesentlich weniger als es in 2025 der Fall war. Hier hatten wir teils Ausfälle von bis zu 50%, wie auch ein Gutachter bescheinigte! Schätzungen gingen in den fünfstelligen Bereich.

Dieses Jahr unternahmen wir mit dem Jäger große Anstrengungen, um die Schäden gering zu halten. Zu bestimmten Zeiten war Disco- Stimmung im Weinberg. Blinklichter, Hupen, andere Geräusche, stinkendes Wildvergrämungsmittel, Zäune und Schafwolle sollten zur Abwehr beitragen. Zeitweise war das erfolgreich, zeitweise gewöhnten sich die Rehe dran. Ich bin froh, dass wir hier so eine engagierte Jägerschaft haben, die mit den Landwirten arbeitet und sich Ihrer Verantwortung bewusst ist.
Da das nicht nur für den Winzer eine Belastung darstellen kann, sondern auch für den Jäger ein teures Unterfangen werden kann, sollte doch das Landesjagdgesetz angepasst werden. In Baden- Württemberg haftet der Jagdpächter für bestimmte Wildschäden. Andere Bundesländer sind hier weiter und haben die Dauer der Schonzeit um zwei Wochen nach vorne verlegt. So haben die Tiere ihre Schonzeit, aber für Landwirte und Jäger wird eine frühzeitige Bejagung möglich und so kann man die Schäden ja gering halten. Durch den Klimawandel ist ja nicht nur die Flora immer früher dran, sondern auch die Fauna. Werden die Zeiten nicht angepasst, wird das mögliche Zeitfenster für Verbiss natürlich großer und zu einer unnötigen Belastung für alle Beteiligten. Wildtiere gibt es trotzdem genug.
Bei einer nächtlichen Rückfahrt von Illingen nach
Schützingen, das sind fünf Kilometer, zählt man einen Fuchs und 10 Rehe.
Aber nicht nur im Frühjahr ist Wildschaden ein Thema. Auch zu Reifebeginn sind die Tiere wieder in den Weinbergen unterwegs. Rehe und Dachs fressen gerne die reifenden Trauben. Zum einen sind sie süß, zum anderen haben die Trauben auch viel Saft und spenden in diesem trockenen und heißen Sommer Wasser, das ja auch im Wald fehlt.
Die Rebblüte begann Ende Mai/ Anfang Juni. Auch wieder früher als im langjährigen Mittel. Somit konnten schon erste Prognosen zu einer frühen Ernte getroffen werden, denn es dauert je nach Sorte 100 bis 120 Tage bis zur Ernte.
Natürlich kam genau zu dieser Zeit die Schafskälte. Die heißt so, weil man in dieser Zeit die Schafe schert. Und dann kommt nochmal eine kurze kalte Phase, die dann nicht nur die Schafe als besonders kalt empfinden. Auch Winzer und Reben. Die Rebblüte braucht optimale 20 – 25°C und trockenes Wetter um zügig und gut abzulaufen. Zu heiß, aber auch zu kalt bremst den Befruchtungsvorgang und nicht aus allen Blüten werden Beeren. In gewissem Umfang ist das normal und teilweise auch erwünscht, denn dann haben die verbleibenden beeren genug Platz an der Traube und quetschen sich zur Reife gegenseitig ab.
Dieses Verrieseln ist also ein normaler, aber auch ein witterungsbedingter Vorgang. Hier und da gab es dadurch geringere Erntemengen. Die Sorten reagieren unterschiedlich und blühen auch nicht alle zur selben Zeit. Ein paar Tage früher machen da schon einen Unterschied.
Der Sommer selbst war heiß und vor allem trocken. Schon früh mussten wir mit Bewässerung die Reben vital halten. Und das konnten wir auch den Sommer hindurch. Mit gezielten Wassergabenkonnten wir den Ertrag sichern und gleichzeitig die Qualität steigern. Dank Tröpfchenbewässerung geschieht das äußerst effizient und wassersparend bei gleichzeitig optimalem Effekt auf die Weinreben.

Wie sich der Jahrgang 2026 entwickeln wird, wird sehr unterschiedlich werden. Gut versorgte Weinberge werden großartige Weine ergeben. Die Trauben waren sehr reif und auch sehr gesund dieses Jahr. Die Mostgewichte waren gut bis sehr hoch, teilweise auch etwas über dem gewünschten Grad, doch das sind Ausnahmen.
100°Oechsle sind eine schöne Zahl, doch sind das 13,5 bis 14% vol Alkohol. Für ausdrucksvolle Rotweine ist das optimal. Für den eleganten frischen Weißwein ist es halt etwas mehr als üblich. Wenn aber der Geschmack das rechtfertigt, ist es in meinen Augen ok. Noch sind Anfang Oktober nicht alle Weine im Keller vergoren. Es entwickelt sich aber prächtig.
Anlagen mit Wasserstress werden sehr einfache und dünne Weine hervorbringen. Wir kennen das aus Jahren wie 2003, 2018, 2022 und anderen.
Zur Photosynthese braucht es 4 Voraussetzungen: Wasser, Kohlendioxid, Sonnenlicht, damit einhergehend genügend Wärme und natürlich gesunde Pflanzen mit Chlorophyll.
Und so bildet die Pflanze als erstes den Zucker. Weinberge mit Wasserdefizit bilden schon verminderte Mengen an Zucker. Ist das Wasser weiterhin knapp, werden aber aus dem Zucker auch weniger weitere wertgebende Inhaltsstoffe, also Säuren, Aromen, Geschmacksstoffe und Farbstoffe gebildet. So entstehen dünne und kurze Weine, die sehr schnell altern und teilweise schon im Frühjahr nach der Ernte ihren Zenit überschritten haben. Weine aus optimal versorgten Weinbergen werden hier erst interessant und bleiben es für lange Zeit.
Nach Zuckerreife und Aromareife kommt dann vor allem für die Rotweinsorten noch eine weitere Stufe der Reife ihre Wichtigkeit: Die phenolische reife, die auch zugleich ein Maß ist für die physiologische Reife der Trauben. Also ob die Frucht so reif ist, dass der Samen darin keimfähig ist.
Da für Rotweine die Schalen aber auch Kerne lange Zeit Kontakt mit dem Saft bzw. Wein haben, werden je nach Reife der Trauben auch reife oder weniger reife Phenole ausgelaugt. Phenole sind eine Stoffgruppe und Überbegriff oder Synonym für folgende andere Bezeichnungen: Gerbstoffe, Tannine, Polyphenole, Bitterstoffe, Gerbsäuren, Catechine aber auch Farbstoffe bzw. Anthocyane gehören dazu. Wenn man auf grüne unreife Kerne beißt, so schmeckt das auch grün, unreif und eher bitter und zusammenziehend. Reife Kerne sind verholzt, also braun. Das gibt eher würzige, fast schon scharfe, herbe Geschmacksnoten im Wein. Genau das, was ein schöner Rotwein braucht und ihm Reifepotential gibt. Und es sind genau diese Stoffe, die als Antioxidantien wirken und freien radikalen Sauerstoff binden können. Deswegen braucht guter Rotwein Zeit für seine Reife, aber genau deswegen kann er auch moderat genossen in Ihrem Körper den Stress durch radikalen Sauerstoff reduzieren und so die Alterung verzögern. Und so wird auch der Cholesterinspiegel gesenkt, was dem Kreislauf und seiner Funktion zugutekommt.
Nicht immer klappt es mit der physiologischen Reife. Manchmal verhindert das Wetter, dass man diesen Punkt erreicht. Manchmal sind die Zuckergehalte schon riesig und die Traube braucht eigentlich noch Zeit zur Reife. So ist das zwar ein wichtiger Punkt zur Beurteilung der Reife, aber nicht das alleine entscheidende. Und es kommt drauf an, was man für einen Wein aus den Trauben machen möchte. Erfahrung und Bauchgefühl gehören auch zum Job.
Und so erklärt sich aber auch, warum Ananas oder Bananen im Supermarkt nicht reif sind, sondern nur süß. Oder warum Äpfel aus heißen Ländern manchmal noch unreife Kerne haben.
Die Sommertage waren sehr heiß. Bereits gegen 11 Uhr hatten wir an manchen Tagen schon Temperaturen von deutlich über 30°C. So passten wir auch unsere Arbeitszeiten an, um die größte Hitze zu vermeiden. Schon um 5 Uhr ging es in die Weinberge und je nach Hitzetag ging es bis 11 oder 13 Uhr. Danach war es nicht mehr für jeden auszuhalten. Nun die Reben wachsen trotzdem und bestimmte Arbeiten müssen halt erledigt werden. So findet man dann halt Kompromisse.

Mitte Juli gab es ein größeres Hagelereignis in der Region. Wir in Schützingen sind ja oft genug vom Regen verschont und so hat uns der Hagel auch nur gestreift. Zwischen 5 und 10%war der Verlust in dem Meisten Weinbergen. Am östlichen Teil des Heiligenbergs waren es aber bis zu 25%. Zwei Kilometer Luftlinie waren es bereits 50 bis 75% und ca 10km entfernt war es Totalausfall. Das wünscht man keinem Kollegen. Wir hatten großes Glück und sind dankbar, dass es für uns so glimpflich abging. Unmittelbar vor der Ernte der nächste Hagel. Glücklicherweise nicht in Schützingen. Aber in einem Steifen von Markgröningen bis ins Bottwartal gab es teilweise Totalschaden. Weder Blatt noch Traube blieben übrig.

Mengenverluste bedeuten immer höhere Produktionskosten. Einen kleinen Überschlag zur Betriebswirtschaft finden Sie hier.
Die Lese selbst ist ja immer noch ein spannendes Thema. Teilweise hatten wir Temperaturen von 30 °C, an anderen Tagen war es nur 10 °C warm. Die Hitze hat in manchen Weinbergen die Beeren schon leicht zu Rosinen werden lassen. Das intensiviert den Geschmack, senkt aber die Erntemenge und höhere Zuckergehalte geben dann auch mehr Alkohol.
Die Bedingungen der Natur sind, wie sie sind. Immer wieder spannend ist ja auch das Thema Mitarbeiter und Arbeitsmoral. Die Lese war ja nun wirklich sehr schnell und kompakt. In nur knapp 2,5 Wochen lief der größte Teil der Ernte über die Bühne. Doch noch nicht einmal in dieser Kurzen Zeit schaffen es alle Mitarbeiter bis zum Ende durchzuhalten. Vorzeitige Abreisen lassen dich ganz schön dumm dastehen als Winzer. Selbst Mitarbeiter, die schon mehrere Jahre hintereinander kommen, sind sich nicht immer der Tragweite bewusst. Wir schätzen es sehr, dass wir für bestimmte Erntetage noch Leute, Freunde, Bekannte und Familie finden und so Unterstützung bekommen.
Und so hat noch alles sein Gutes Ende bekommen.
Als nächstes geht es nun im Keller weiter. Die Weine brauchen Zuwendung. Ein gern verwendetes Wort in der Weinbranche heißt „Kontrolliertes Nichtstun“. Hört sich im Idealfall schön an. Kann ja im Umkehrschluss auch richtig viel Arbeit bedeuten. Also, immer optimistisch bleiben!
Noch ein paar Gedanken zu alkoholfreiem Wein
Alkoholfreier Wein braucht reife Trauben. Denn durch den Entzug von Alkohol fehlt ein wichtiger Geschmacksträger im Wein. Da muss die Frucht schon was können, dass das fertige Produkt was bieten kann.
Die Technologien zum Entzug von Alkohol schreiten weiter voran. Im Wesentlichen geschieht das durch abdestillieren oder aber durch feinste Membranfiltrationen. Es ist eine Kostenfrage und auch eine Frage ob 0,0%vol hegestellt werden soll oder nur alkoholfrei, was immer noch max. 0,5%vol erlaubt. Dementsprechend ist die Belastung des Produktes relativ hoch, was sich immer in irgendeiner Weise auch auf den Geschmack auswirkt.
Es schmeckt halt anders wie normaler Wein und hat auch nicht die Haltbarkeit.
Der technische Aufwand ist die eine Kostenstelle. Die andere besteht im Mengenverlust, denn nur der Alkohol alleine lässt sich nicht abtrennen. Es geht auch immer etwas Wasser mit verloren und so gehen bei einem Wein mit sagen wir 12,5% vol gerne mal 15% der in den Verlust.
Es ist ja schön wenn man ein bewussteres Leben führen will und auch hochverarbeitete Produkte und Lebensmittel verzichten will. Ich bin mir nicht sicher ob alkoholfreier Wein in genau diese Bild passt. Wenig Eingriffe, natürliches Produkt, traditionell mit Herkunft und Charakter.
Noch sind die Marktanteile recht gering. Ca 0,5% des Marktes werden von alkoholfreiem Wein bedient. Es sind Möglichkeiten und Chancen. Es ist aber auch das Gegenteil von den geforderten Werten. Und so ergeben sich weitere Widersprüche. Die Entwicklungen bleiben spannend und sicher wird es Innovationen geben. Ob das immer ein Fortschritt ist dürfen Sie selbst entscheiden.
Jahrgang 2026 – Besonderheiten in Schützingen