Was kostet ein guter Wein? Was kostet eigentlich die Herstellung von Wein? Was bleibt dem Winzer?
Hier geht es nicht um Gejammer, sondern um eine Darstellung der Situation im Weinbau. Es ist ganz gewiss keine vollständige Aufzählung. Es reicht aber um zum Denken und zum Verständnis anzuregen. Möglicherweise erschließt sich Ihnen schon im Ansatz, was ich meine.
Hier ein paar Zahlen:
Wenn man heute einen neuen Weinberg anlegt, so kostet das ca 50.000 bis 60.000€ je Hektar. Darin enthalten sind alle Kosten die notwendig sind, bis der Weinberg in geschätzten drei Jahren den ersten Ertrag bringt. In ca 20 bis 25 Jahren ist der Weinberg aus betriebswirtschaftlicher Sicht abgeschrieben. Das heißt jedes Jahr werden ca 2500€ vom Erlös dazu verwendet um die Anlage zu bezahlen bzw um in 25 Jahren den Weinberg wieder neu anlegen zu können. Die Inflation ist dabei nicht berücksichtigt, heißt in 25 Jahren reichen die 60.000€ nicht aus um einen Weinberg anzupflanzen.
Dünger und Pflanzenschutz kostet Geld, ca 1000€ pro Jahr und Hektar
Löhne und alle Nebenkosten für Arbeitskräfte: ca 6000€, je nach Steilheit der Weinberge
der Lohn des Unternehmers ist darin nicht enthalten. Er wird in einem Ansatz kalkulatorisch abgezogen, denn würde er in der Kalkulation nicht berücksichtigt, so bliebe auch für der Unternehmer mit seinem Risiko nichts übrig. Und von dem was übrig bleibt, lebt der Unternehmer und seine Familie.
Energie, also Kraftstoffe und Strom benötigt es weiter
Versicherungen
Einen Zinsansatz von 5-7%. Das Geld hätte man ja auch mit Zinsen woanders anlegen können, oder man muss noch Kredite für die Neuanlage bedienen.
Eine Pachtansatz, denn wenn man die Fläche verpachtet hätte, bekäme man ja Geld dafür. Zumindest im Moment ist das utopisch, denn gerade lassen sich Weinberge nicht gegen Geld verpachten, wenn sie sich überhaupt verpachten lassen.
Weitere betriebliche Kosten der Traubenproduktion und insgesamt betriebliche Kosten.
Bis jetzt haben wir nur die Traubenproduktion berücksichtigt.
Verkauft ein Winzer seine Trauben ausschließlich an eine Genossenschaft oder Kellerei, so erhält er ja nach Zugehörigkeit und Erfolg des Abnahmebetriebes zwischen maximal 1400€ und ca 5500€ für ein Hektar, aber nur wenn er am maximal möglichen Limit produziert. Wenn es weniger gibt, sinkt auch der Erlös. Vor wenigen Jahren waren die Erlöse noch um 30% höher!
Die bisher aufgezählten Kosten reichen für eine grobe Einschätzung des unternehmerischen Erfolgs bereits aus. Man muss nicht zu Ende rechnen, um zu sehen, dass die Rechnung so nicht auf Dauer gemacht werden kann. Und wer sich die Kulturlandschaft der Weinbaugebiete anschaut, stellt fest wie sehr sich es wandelt. Flächen, vor allem steile und in weniger bekannten Regionen werden aufgegeben. Das heißt nicht, dass dort schlechter Wein wächst. Wein war noch nie so gut wie im Moment.
Und dennoch: Weinbau muss man sich leisten können.
Die Größten Herausforderungen sind ein momentaner Absatz und Konsumrückgang. Deutschland hat gut 100.000ha Rebfläche. Der Rückgang seit Corona beträgt ca 20%. Also wir jede 5. Flasche nicht mehr getrunken. Oder anders gesagt, der Wein von 20.000ha ist derzeit übrig. Nicht schlecht, nur übrig.
Also geben die deutschen Winzer ihre Weinberge auf um dem Markt gerecht zu werden. Einen Markt den der deutsche Wein mit seinen eigenen Erzeugnissen nur zu ca 40% bedient. 6 von 10 Flaschen, die in Deutschland getrunken werden, kommen nicht von hier! Und wir in Deutschland geben auf.
Hilfe nach dem Staat wird gerne gerufen. Der Staat kann nicht den Wein kaufen. Aber er kann Rahmenbedingungen schaffen, dass ein gewisser Wohlstand Kaufkraft ermöglicht. Es ist ja gerade nicht nur schwierig im Weinsektor, eigentlich ist ja gerade in sehr vielen Branchen der Wurm drin.
Der Winzer macht sich Gedanken und plant in Generationen, denkt in Jahren und handelt im Moment.
Die Politik plant in Legislaturen, lässt Externe denken und handelt spät bis nie.
In einem Land, in dem alles vorhanden ist, lassen wir uns alles aus der Hand nehmen oder geben es noch „freiwillig“ her. Schon seltsam, wie man sich Wertschöpfung verbietet oder mit Auflagen und Abgaben unmöglich macht. Ein Konzern kann seinen Betrieb verlagern. Ein Weingut nicht.
Gründe für den Konsumrückgang:
- Die schwächelnde Wirtschaft senkt die Kaufkraft. Das Leben ist teuer geworden. Lebensmittel, Mieten, Energie und Kraftstoffe.
- Der Arbeitsplatz ist nicht mehr so sicher wie er mal war
- Der Demographische Wandel: Man muss es leider so deutlich sagen, aber eine Generation von Menschen, die gerne und viel Wein getrunken haben, weil es einfach zu einem erfüllten Leben gehört, stirbt langsam aus. Die Altersgruppe der Menschen, die derzeit den größten Teil der Bevölkerung ausmacht, hat aber leider nur einen eingeschränkten Kontakt zu Wein. Der Nachwuchs wird das also nicht kompensieren.
- Der komplette Verzicht auf jegliche Form von Alkohol trifft auch den Weinabsatz, sei es aus Lifestyle oder Ideologie
- Kulturelle oder religiöse Hintergründe haben ihren Einfluss
Es gibt aber auch Hoffnung, denn wir selbst beobachten bei unseren Weinausschänken und Events das Interesse gerade jüngerer Menschen für den Wein. Es wird gerne Verschiedenes probiert und man lässt sich gerne etwas empfehlen. Bei aller Globalität ist Wein auch Herkunft und Identität für Menschen. Es gibt Halt in bewegten Zeiten.
Wir erfahren viel Zuspruch in dem was wir tun. Dank Ihnen können wir das auch. Und wie wir dargestellt haben, ist fairer Weingenuß eigentlich nur möglich, wenn Sie direkt beim Winzer kaufen.
Es geht nicht nur um den Winzer. Es geht um Werte, Landschaft, Wertschätzung, unser Land und unsere Gesellschaft - und Genuß mit positivem Nachgeschmack!
Betriebswirtschaft - mal überschlägig dargestellt.