Weinlese 2017

Lesebeginn im August

Mister Sebastian Sebastian Zaiß
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Weinlese 2017

Die Weinlese hat begonnen. Sehr früh dieses Jahr! Noch im August haben wir die ersten Sorten geerntet und somit alles andere als im Schneckentempo!

So war es Ende Juli und Anfang August sehr naß. So naß, daß selbst die Schnecken in höheren Regionen Schutz suchten. Nicht nur an den Trauben, manchmal auch noch weiter oben am Laub findet man Sie. Bei der feucht warmen Witterung, die zuletzt in einer kleine Hitzewelle endete, kapselten Sich die kleinen Schnecken ein und harren auf den Trauben der Hitze aus.

Mit der feucht- warmen Witterung kommt auch die Kirschessigfliege. Hat Sie im Frühsommer wegen der langen Trockenheit keine Chance zur Vermehrung gehabt, so tut Sie das momentan um so mehr. Da es weniger anderes Obst gibt als sonst, kommen viele Vögel, Wespen, Wildtiere und Mäuse in die Weinberge und probieren oder fressen an den reifenden Trauben. Die hohen Niederschläge haben in dichtgepackten Trauben auch zu Abquetschungen oder aufgeplatzten Beeren geführt. Darum der Betreff: Houston - wir haben ein Problem!

Sie kennen das von Zuhause: Angeschnittenes Obst zieht die Fliegen an. Normale Essigfliegen und auch die gefährliche Kirschessigfliege. Gefährlich ist die deshalb, weil sie ihre Eier (bis 300!) in reife aber unverletzte Beeren ablegt. Nach ca. 14 Tagen schlüpfen daraus neue vermehrungsfähige Insekten. Das Spiel beginnt von vorn und verläuft exponentiell!

Mit der Eiablage wird die Beere beschädigt und fängt an zu gären. Hefen und Bakterien produzieren aus dem Zucker etwas Alkohol, aber noch viel schlimmer ist die Essigsäure und die vielen Geschmacksstoffe, die so kratzig-süßlich, mostig und teils lösemittelartig riechen und erst recht schmecken.

Holzauge sei wachsam!

Wird das bei der Lese nicht sauber aussortiert (Vollernter), bekommt der fertige Wein davon was mit in seinen Geschmack. Das will niemand und das schmeckt auch nicht. Um die Mengenverluste bei teils eh schon geringen Erträgen nach dem Frost im April einzugrenzen, muß etwas früher gelesen werden. Wir lesen mit der Hand und sichern so die Qualität - Damit der Wein nicht nur uns, sondern vor allem Ihnen schmeckt!

Im Bild oben sieht man so eine gärende angestochene Beere, gleich daneben eine Kirschessigfliege.
Im Hintergrund sieht man noch eine andere beschädigte Beere. Diese ist aber am Eintrocknen und hat keinen Essig in sich. Dieses Eintrocknen versuchen wir zu Unterstützen. Sie sehen das weiße auf den Beeren. Das ist kein Pflanzenschutzmittel, sondern Löschkalk. Mit Wasser gibt das eine starke, aber für Pflanze ungefährliche, Lauge. Diese desinfiziert die offenen Verletzungen und bei trockenem Wetter trocknen die Beeren zu Rosinen ein. Nicht ideal, aber wesentlich besser als Essig zu werden. Nachdem der Löschkalk abgetrocknet ist, ist er zu harmlosem Calciumcarbonat umgewandelt. Der weiße Kalk bleibt, ist aber völlig unbedenklich. Werden die Trauben eingemaischt, verbindet sich der Kalk mit der Weinsäure und fällt innerhalb kurzer Zeit als Weinstein aus. Im Wein verbleibt davon nichts. Und hier noch ein Bild:

Nun hoffen wir auf trockenes Wetter, warme, nicht zu heiße Tage und kühle Nächte. Dann wird bei konsequent selektiver Lese ein toller Weinjahrgang 2017 daraus werden.