Wein trifft Geschichte

ausverkauftes Haus bei der 1. Veranstaltung 1250 Jahre Illingen

Mister Sebastian Sebastian Zaiß

Eine auffällige Überschrift

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Von Ulrike Stahlfeld

Illingen. So viel scheint sicher: Vor 1250 Jahren gab es hierzulande schon Weinbau. Ob damals auch die Illinger einen guten Tropfen ausbauten  ? Schätzen tun sie diesen 1250 Jahre später allemal: Die mit viel historischen Details ausgeschmückte Weinprobe am Samstag im Rahmen des Programms zum Illinger Jubiläum war restlos ausverkauft.

110 Karten hatte es für die unterhaltsame Weinprobe im evangelischen Gemeindehaus gegeben. Wein und Geschichte – das verbanden an diesem Abend vor allem Sebastian Zaiß vom gleichnamigen Weingut in Schützingen und der Naturparkführer Roland Straub (Lienzingen). Für mittelalterliche Klänge sorgte die Gruppe „Crinula“ mit Irmtraud Geywitz, Ursula Plagge-Zimmermann und Malte Mory auf historischen Instrumenten.

Um 766 habe es, so Straub, ganz passend zum Ortsjubiläum die ersten Hinweise auf Weinbau gegeben. Es sei eine Schenkungsurkunde überliefert, in der das Kloster Lorsch einen Weinberg bekam. Die Nähe zum Kloster Maulbronn lege nahe, dass auch in späteren Jahrhunderten Weinbau in Zaisersweiher und der Umgebung betrieben wurde.

„Die Mönche benötigten den Weinbau wegen dem Messwein“, erzählte Straub und erntete das erste Schmunzeln an diesem Abend. Funde von Amphoren in Georgien ließen darauf schließen, dass es Weinbau bereits vor 6000 Jahren gegeben haben muss.

Mit großer Sicherheit war der Wein in früheren Jahrhunderten weniger ein Genussmittel als vielmehr ein Rauschmittel. In den Traubensaft kamen Gewürze wie Zimt, ebenso Honig, Absinth und, so Straub weiter, Arsen, um das Getränk haltbar zu machen. Es müsse wohl ein scheußliches Gesöff gewesen sein.

Jahrhunderte später kann davon nicht mehr die Rede sein, wie sich die Gäste im Laufe des Abends selbst überzeugen konnten. Begrüßt wurden sie gleich zum Auftakt mit einen Glas Riesling-Sekt, es folgten fünf Weine zur Verkostung. Neben den beiden Jubiläumsweinen kredenzte Sebastian Zaiß einen Weißburgunder, einen Spätburgunder sowie den Lemberger, der im vergangenen Jahr bei der Preisverleihung „Vaihinger Löwe“ einen vierten Platz belegte.

Während die Gäste genüsslich bei einem Stück Jubiläumsbrot die Weine verkosteten, erzählte auch Sebastian Zaiß viel Wissenswertes aus der Entwicklung des Weinanbaus. So habe man früher die Rebsorten bunt gemischt im Weinberg angepflanzt, heraus kam ein „Wein von schillernder Farbe“. Der „Schillerwein“ habe seinen Namen also nicht vom großen Dichter und Denker, wenngleich, dieser ebenso wie Goethe einem guten Schluck wohl zugetan gewesen sei, wie Zaiß meinte und wie es Thomas Knodel prompt anhand eines Gedichtes belegte.

Diakon Thomas Knodel begrüßte die Gäste – unter ihnen quasi als Hausherr Pfarrer Wolfgang Schlecht und Bürgermeister Harald Eiberger. Knodel, der die erkrankte Organisatorin Margrit Gaupp entschuldigte, moderierte den Abend. „Ergo bibamus – lasset uns trinken“, zitierte er Johann Wolfgang von Goethe, und das ließ man sich nicht zweimal sagen.

Muehlacker Tagblatt_Tagblatt_22022016_eld Wein Geschichte.pdfOriginalartikel