Frost 2017

starker Ertragsausfall durch Spätfrost

Mister Sebastian Sebastian Zaiß

2017 Große Hoffnungen zerstört

was der Frost vernichtet hat

2017 schien ein sehr früher Jahrgang zu werden. Mit ca. drei Wochen Vorsprung waren die Chancen riesig einen ganz großartigen Jahrgang zu erhalten. Doch mit den Chancen einher geht immer ein Risiko - ähnlich groß den Chancen.

Leider hat in der Nacht vom 19. April auf den 20. April ein Spätfrost alle Hoffnungen zunichte gemacht. Bei bis zu minus sieben Grad Celsius sind das wirklich alle. Es sieht übel aus und die meisten jungen Triebe sind erfroren. Ein wirtschaftlicher Totalschaden. Keine Triebe - Keine Trauben - Keinen Wein -  Kein Erlös - zuviel Arbeit, die trotzdem gemacht werden muss! Damit sich für den Herbst 2018(!) wenigstens wieder ein halbwegs normaler Ertrag erzielen lässt. 

Was würde wohl ein Arbeitnehmer sagen, wenn er ab sofort mehr arbeiten soll, aber nur noch einen Bruchteil seines Lohnes bekommt?
Für viele Haupterwerbs- Winzer in Württemberg, in Deutschland, in halb Europa ist das Weinglas zur Zeit nicht halbvoll, sondern halbleer bei weiter fallendem Pegel. Es geht um Existenzen.

Was den Winzern nun am Besten helfen wird, sind Kunden die direkt beim Winzer bestellen und kaufen.
So bleibt der Weinpreis für alle fair und die Winzer haben eine Perspektive.

Während in vielen anderen Jahren mit Spätfrost, z.B. 2011, 2015, 2016, in den tiefen Lagen mehr oder weniger starke Schäden zu verzeichnen waren, sind diesmal alle Lagen, bis zu den Höchsten und Besten von Erfrierungen betroffen. Die Schäden ungleich höher und um so bedrohlicher.

In einer windstillen Nacht kann es bei entsprechender Witterung und klarem Himmel Bodenfrost geben, der sich je nach Kaltegraden wie ein Kaltluftsee bis an die Hänge der Weinberge auffüllt. Alles was sich in der kalten Luft (unter null Grad) befindet erfriert größtenteils. So kennt man normalerweise seine gefährdeten Lagen und lässt dort z.B. Frostruten stehen, die bei Frost noch einen Teil ausgleichen können. Je nachdem wie stark der Frost war und wie stark die Reben erfroren sind.

2017 war anders.

Eine Strömung brachte leichten Wind und bis zu minus sieben grade kalte Luftmassen aus Nordost. Es war also deutlich kälter als üblich und der Wind hat die kalte Luft in allen Lagen verteilt. Darum sind auch in allen Lagen Schäden bis zum Totalausfall festzustellen. 
Und es war nicht nur eine Nacht, weitere nicht ganz so kalte Minusnächte folgten im Anschluß. Im Wetterbericht ist für Ende April weiter mit Kaltluft unter null Grad und sogar Schneefall zu hören.

Was kann man dagegen tun?

Nun die Winzer haben nichts unversucht gelassen. Nicht immer war es erfolgreich. Manchmal scheitert es an den Möglichkeiten, an der Betriebsgröße, an rechtlichen Bestimmungen.

Hubschrauber wurden bestellt.
Über den kalten bodennahen Schichten befindet sich wärmere Luft. Vermischt man diese mit z.B. Hubschraubern, oder auch mit Windmaschinen, kann die Temperatur um die zarten Triebe über dem Gefrierpunkt gehalten werden. Die Ernte ist gerettet. Kosten ca. 300€/ ha je nach Flugdauer auch mehr. Erfolg in 2017? Gleich null, da zu kalt und leichter Wind. In anderen Jahren hat es besseren Erfolg gehabt.

Weinberge wurden beheizt
Was bis in die 80er Jahre öfters praktiziert wurde, hatte teils Erfolg. In der Fläche war aber kein Einsatz möglich. Man braucht etwa 400 Paraffinkerzen/ha, muss diese durch die Nacht kontrollieren und ggf. auch für weitere Nächte vorhalten, verteilen und das Feuer unterhalten. Bei starkem Frost braucht man noch mehr dieser rauchenden Wärmespender. Geschätze Kosten ca. 2-3000€/ha. Wie wollen Sie ein Anbaugebiet wie Württemberg mit 11.000ha so heizen? Ganz Deutschland?Unmöglich. 

Frostberegnung
Auch das wurde praktiziert. Doch sind die mit Frostberegnung ausgestatteten Flächen praktisch nicht vorhanden. Man braucht große Leitungen mit Überkronenregnern und je Hektar und Stunde 30.000l Wasser. Die Reben müssen ab dem Zeitpunkt des Gefrierpunktes beregnet werden. So lange bis es wieder taut.

Man macht sich dabei die Erstarrungswärme zunutze. Wasser ist entweder flüssig bei null Grad, oder eben gefroren. Bis es gefriert, gibt es die Wärme an die jungen Triebe weiter. Solange also immer neues Wasser auf den eingefrorenen Trieben hinzugefriert bleibt der Trieb bei null Grad vom Frost verschont. Erst wenn es wärmer wird und wieder taut darf mit dem Bewässern aufgehört werden. Sonst erfrieren die Reben in der letzten Minute.
Problem: Hohe Anschaffungskosten, woher Wasser nehmen (dürfen)

Noch weitgehend unbekannt sind Versuche der Homöopathie
Hier sollen Baldrian- Blüten- Präparate den Frost verhindern oder gar Frostschäden lindern. Ob es funktioniert hat? Keiner weiß es. Frost kann man so sicher nicht bekämpfen, höchstens die Abwehrkräfte der Reben fördern. Doch die Minusgrade setzen auch hier Grenzen und Tote aufwecken hat noch selten funktioniert.

Im Sommer werden die Weinberge grün sein. Es gibt noch Reserveknospen an den Bogreben oder es entwickeln sich ebenfalls stark verzögert Geiztriebe aus einem nicht ganz erfrorenen Trieben. Ob da Trauben dran sind, hängt von der Rebsorte ab und wie stark der Frost zugeschlagen hat. Die stark ungleich wachsenden Triebe aufzuheften wird viel Zeit beanspruchen. Doch man braucht für 2018 Triebe für den Rebschnitt.
Gibt es Trauben aus diesen neuen Trieben, dann sind die mindestens 4-6 Wochen später reif. Den entstandenen Verlust werden sie niemals auffangen können. Max. 20% können so je nach Sorte kompensiert werden - wenn die Eisheiligen nicht zuschlagen.